| Geomantie ist die europäische Variante zum (echten!) chinesischen Feng Shui, dem indischen Vastu, der Weltsicht der Indianer und Aborigines und vieler anderer. Über die kulturellen, weltanschaulichen und geographisch bedingten Unterschiede hinaus ist allen gemeinsam die Erkenntnis, dass die Erde ein lebendiges Wesen ist, ein weiblicher Körper, beseelt und von Geist durchdrungen. Alle verfolgen die Absicht, die Gesetzmäßigkeiten der irdischen und kosmischen Kräfte zu ergründen, um in Einklang mit ihnen zu leben, zum Wohle der Menschen und der Natur.
Geomantie ist vor allem ein Weg der Wiederverbindung mit allem Lebendigen, ein Weg der tiefen Selbsterfahrung und Bewusstseinserweiterung.
Meditation, Achtsamkeits- und Wahrnehmungstraining und absichtsloses Gewahrsein sind die wesentlichen Zugänge zum Wesen der Erde, zu uns selbst und zu nichtalltäglichen Bewusstseinsebenen.
Es ist davon auszugehen, dass alle alten Völker und Kulturen Geomantie praktizierten, auch wenn sie dafür keinen speziellen Namen hatten. Geomantie meint die Beziehung zum Lebendigen, zum Ursprung der Schöpfung. Die uralte Sehnsucht des Menschen, die hinter allem Sichtbaren wirkende Kraft zu erkennen, die unsichtbare Wirklichkeit hinter der sichtbaren Welt zu begreifen und sich wieder mit dem Ursprung allen Seins zu verbinden, ist der Ursprung der Geomantie und von „re-ligio“.
Immer mehr Wissenschaftler finden bestätigt, was unsere Vorfahren intuitiv wussten: In früheren Zeiten lebten Menschen in dem Bewusstsein, dass sie mit Erde und Kosmos eine Einheit bilden, die Magna Mater, die sie verehrten als die Große Mutter, die alles Leben in unendlicher Fülle hervorbringt, uns trägt und nährt und den ewigen Kreislauf von Werden, Erblühen und Vergehen in Gang hält. Sie ist die Göttin mit den unzähligen Namen, die Eine, die die Urprinzipien des Lebens symbolisiert. Als weiße, rote und schwarze Göttin verkörpert sie den zyklischen Lauf des Lebens, wie die Phasen des Mondes, der monatliche Zyklus der Frau, der Lebenszyklus, die Jahreszeiten der Natur. Die dreigestaltige Göttin lebt verborgen fort in vielen Märchen, Sagen, in christlichen Heiligen, wie Maria oder den „drei heiligen Madeln“, Barbara, Margarete und Katharina.
Wir leben in einer Zeit, in der wir zunehmend erkennen, dass unsere Naturentfremdung und damit auch Entfremdung von uns selbst massenweise Probleme hervorgebracht hat, individuell, gesellschaftlich, vor allem aber die fortschreitende Naturzerstörung.
Die Wiederverbindung mit der Erde, den seelischen und geistigen Dimensionen der Landschaft, ist ein Schritt zum Bewusstseinswandel, der notwendig ist, um die Menschheit zu befähigen, den Kurs zu ändern. Wir sind Mitschöpfer und haben es in der Hand, das Paradies auf Erden zu erschaffen oder zu zerstören. Jeder /jede trägt dazu bei.
Die Wiederverbindung mit der Erde geschieht durch die liebende Annahme unserer eigenen Körperlichkeit. In der Hingabe an die Erde und uns selbst sind Bewusstseinsschritte unvorstellbaren Ausmaßes möglich. Der Schlüssel dazu sind die Wiederentdeckung und Integration der weiblichen Prinzipien wie Empfänglichkeit, Hingabe, Annehmen.
Geomantie umfasst viele Disziplinen, z.B. Radiästhesie, Biologie, Geologie, Archäologie, Astrophysik, Physik, Architektur, Landschaftsplanung, Ethnologie, Medizin u.a.. Außerdem umfasst sie eine große Bandbreite, von der mehr technisch analytischen Herangehensweise bis hin zum spirituellen Erkenntnisweg: z.B. Schlafplatzuntersuchung, geomantische Ortsfindung für neue Siedlungen und Häuser, harmonikales Bauen, Haus-, Orts- und Erdheilung, Erkundung alter Kultplätze, christlich, römisch, keltisch, bis hin zur Megalithkultur. Steinkreise, Menhire, Dolmen, Schalensteine usw. sind allesamt Kulturzeugnisse aus einer Zeit, in der die Große Göttin verehrt wurde. Den Archäologen sind sie ein Rätsel, mit Hilfe der Geomantie ist eine sehr faszinierende Annäherung möglich.
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